
von Christoph Sigrist (Text)
und Hans-Jürgen Hufeisen (Musik)
Regie: Volker Hesse
Was den Deutschen ihr Luther, ist den Eidgenossen Zwingli. Zum lutherischen Reformationsjubiläum und zwei Jahre bevor sie ihren eigenen Reformator so richtig hochleben lassen, wurde das Zürcher Großmünster nun für zehn Tage im Juni 2017 zur Theaterbühne – für einen reformatorischen Bildersturm zu Klängen des deutschen Komponisten und Musikers Hans-Jürgen Hufeisen.
„Akte Zwingli – Ein Mysterienspiel“ basiert auf dem Wirken eines Mannes, der bis heute als meist puritanischer und lustfeindlicher, streitbarer Theologe und Reformator beschrieben wird. Höchste Zeit also für eine Korrektur des tradierten Bildes. Eine, die das Leben und Werk von Huldrych Zwingli nicht als Heroengeschichte erzählt.
Im Mittelpunkt des Stücks steht seine Frau Anna Reinhard. Mit ihr tritt eine starke Frau ins Licht der Gegenwart – aus dem Schatten eines grossen Mannes. Zwingli wird als musizierender und seine Partnerin liebender Mann gezeigt, bei dem der Zweifel Grundbestandteil seines Denkens und Glaubens ist. Seine Ambivalenzen und Verstrickungen mit Freunden und mit der Obrigkeit, aber auch seine grossartige Tätigkeit für die Stadt Zürich werden mit der Verletzlichkeit und Intimität der Beziehung zu seiner Ehefrau und Familie verknüpft.
Durch diese Verbindung von Historie und Fantasie entsteht der nötige Freiraum, der die aus heutiger Sicht drängenden und kritischen Fragen rund um die Rolle Zwinglis zu stellen erlaubt und eine vielfach unterdrückte, überschriebene und zum Verstummen gebrachte Stimme hörbar macht.
